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PASTELLMALER DES 19. JAHRHUNDERTS
Nach Thomas Gainsborough (1727–1788)
„Bildnis eines Knaben mit Schosshund im Van-Dyck-Kostüm“
Pastell auf Papier/Karton, hinter Glas.
Unten rechts im Bildfeld undeutlich signiert bzw. monogrammiert in roter Kreide, möglicherweise datiert.
Masse: 68 × 53 cm (Darstellung).
In profilierter, vergoldeter Holzstableiste mit Perlstab- und Eierstabornament.
Halbfigurig wiedergegebener Knabe vor atmosphärisch-landschaftlichem Hintergrund mit angedeutetem Baum zur Linken und wolkig-blauem Himmel. Das Kind mit zartem, rosigem Inkarnat, grossen blauen Augen und blondem, lockigem Haar blickt leicht zur Seite aus dem Bild heraus. Es trägt einen breitkrempigen dunkelblauen Hut mit wallender weißer Straußenfeder – das klassische Motiv des sogenannten „Van-Dyck-Kostüms“, das im späten 18. und im 19. Jahrhundert in der Kinderbildnismalerei außerordentlich beliebt war.
Der Knabe ist in eine lachsrosa Samtjacke mit doppelter Knopfreihe aus blaugrauen Stoffknöpfen gekleidet, dazu ein üppiger, gefiederter weisser Spitzenkragen und passende Spitzenmanschetten. Im Arm hält er liebevoll ein kleines graubraunes, langhaariges Hündchen vom Typus eines Malteser- oder Bologneserhundes, das sich zutraulich an ihn schmiegt. Im Vordergrund ist ein blaues Samtkissen mit goldener Kordel angedeutet, das der Komposition zusätzliche Tiefe und herrschaftliche Anmutung verleiht.
Die Komposition ist unmittelbar der englischen Porträttradition des späten 18. Jahrhunderts verpflichtet. Direktes Vorbild ist Thomas Gainsboroughs berühmtes Bildnis „The Pink Boy“ (Portrait of Master Nicholls, 1782) – das Pendant zum legendären „Blue Boy“. Von dort übernimmt das vorliegende Pastell den rosa Samtanzug, den Federhut und den landschaftlichen Hintergrund. Das Motiv des Kindes mit Schoßhund verweist zudem auf Sir Joshua Reynolds, insbesondere auf dessen „Miss Jane Bowles“ (1775).
Derartige Nachschöpfungen englischer Meister waren im europäischen Bürgertum und Adel des 19. Jahrhunderts außerordentlich geschätzt und wurden in beachtlicher Zahl als dekorative Salonstücke gefertigt – häufig in der weichen, farblich zurückhaltenden Pastelltechnik, die dem sentimentalen Geschmack der Zeit entsprach.
Die Ausführung lässt eine geübte, akademisch geschulte Hand erkennen. Weiche Übergänge im Inkarnat, die differenzierte Behandlung der Haarlocken, die flauschige Wiedergabe des Hundefells und die matte Tiefe des samtigen Stoffes sind charakteristische Qualitätsmerkmale der Pastelltechnik und sprechen für einen versierten Porträtisten.
Die Lichtführung folgt dem klassischen Bildaufbau: Das Gesicht des Knaben bildet den hellsten Punkt der Komposition und wird durch den dunklen Hut wirkungsvoll kontrastiert. Der Hintergrund ist in lockerer, atmosphärischer Wischtechnik in Blau- und Grautönen angelegt und verleiht dem Bildnis eine romantisch-poetische Stimmung.
Altersgemäss guter Gesamtzustand. Pastellbildnisse dieser Art sind technikbedingt empfindlich; eine fachmännische Überprüfung hinter dem Glas auf Fixierung, etwaigen Pigmentabrieb oder Stockflecken wird empfohlen. Rückseite mit älterer, aber fachgerechter Montierung auf Karton, originale Aufhängevorrichtung. Rahmen mit leichten Altersspuren, kleineren Stuckfehlstellen und vereinzeltem Vergoldungsabrieb.
Schweizer Privatbesitz.
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